A2 Milch bei Milcheiweißunverträglichkeit

Drei Jahre ist es nun schon her, dass ich mich für die low Fodmap Ernährungsform entschieden habe – wohl eine der besten Entscheidungen meines Lebens! 😊 Da eines der Fodmaps, auf die ich besonders zu Beginn sehr streng verzichtet habe, Laktose war, habe ich sämtliche Milchprodukte durch laktosefreie Alternativen ersetzt.



Als ich letzte Woche wieder einmal durch die Regale der Kühlabteilung spazierte und gerade zur laktosefreien Milch greifen wollten, schießt mir förmlich eine andere Milchpackung ins Auge, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Neben meiner laktosefreien Milchpackung steht eine Milch mit der riesigen Aufschrift: „A2-Milch. Dein Bauch sagt ja!“ Wäre ich eine Woche zuvor an diesem Regal gestanden, hätte ich diese Aufschrift mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wahrgenommen, weil ich nichts von dieser A2 Milch gewusst hätte. Zufälligerweise habe ich gerade ein paar Tage vor diesem für mich super spannenden Moment im Supermarkt in einem Buch von der A2 Milch gelesen. Es war bloß ein kleines Unterkapitel in diesem Buch und dennoch blieb es mir irgendwie in Erinnerung und als ich diese Aufschrift sah, schlug meine myFODMAP Radar aus.


Ich denke, es ist selbsterklärend, dass ich diese Milch UNBEDINGT kaufen und testen musste! 😊 Vielleicht hast du meine Story auf meinem Instagram Profil gesehen, in der ich sichtlich aufgeregt von meiner Entdeckung berichtet habe. 😉


Was ist A2 Milch und woher kommt sie?

So, jetzt aber noch einmal auf Anfang: What the F*** ist bitte A1 und A2 Milch?!

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns ansehen, woraus Kuhmilch besteht: Zum Großteil besteht Milch aus Wasser, dazu kommen Fett, Laktose, Mineralstoffe und Protein (Eiweiß).


Der wesentliche Unterschied zwischen A1 und A2 liegt im Protein. Das Protein in der Milch besteht hauptsächlich aus Casein, genauer gesagt aus Beta-Casein. Dieses Beta-Casein ist eine Kette aus 209 aneinander gereihten Aminosäuren. Um den Unterschied zu erkennen, müssen wir uns die 67. Position dieser Aminosäurekette ansehen. Denn bei der A1 Milch sitzt an dieser Stelle Histidin und bei der A2 Milch Prolin.


Bei der Verdauung wirkt sich dieser Unterschied dahingehend aus, dass bei der Spaltung der Aminosäuren der A1 Milch ein Peptid namens BCM-7 entsteht. BCM-7 (Beta-Casein Morphin) ist eine Opioid-ähnliche Verbindung, welche Auswirkungen auf den menschlichen Verdauungstrakt hat. So verlangsamt BCM-7 die Darmtransitzeit (den Transport von Nahrung und den gesamten Verdauungsprozess), es verursacht dadurch eine Veränderung der Darmfunktion und beeinflusst Darmbakterien und Entzündungen im Darm. Es wird angenommen, dass diese Effekte dazu führen können, dass bestimmte Menschen A1 Milch deshalb schlechter vertragen.


Ursprünglich war es so, dass alle Kühe A2 Milch gaben. Vor vielen tausenden von Jahren kam es zu einer spontanen Punktmutation bei Kühen, von da an auch A1 Milch produziert wurde. Heute gibt es demnach Rinderrassen, die reine A2 Milch produzieren, allerdings sind es vermehrt Rassen, die A1 bzw. eine Mischform A1/A2 Milch produzieren. Anhand der DNA der Kuh kann festgestellt werden, welche Milchart diese gibt. Für Landwirte, die reine A2 Milch verkaufen, bedeutet das einen Mehraufwand, da auch bei der Zucht stets das Erbgut der Tiere beachtet werden muss, während das bei Anbietern einer Milch-Mischform keine Rolle spielt.


Die Bezeichnung A2 hat also nichts mit künstlich manipulierter Milch zu tun, im Gegenteil, A2 Milch ist ein völlig natürliches Tier-Produkt. Neben speziellen Rinderrassen geben übrigens auch Ziegen und Schafe A2 Milch. Sogar die Muttermilch des Menschen ist A2 Milch.


A1 oder A2 Milch bei Reizdarm?

Der Unterschied zwischen den beiden Milcharten liegt also nicht im Laktosegehalt/Milchzuckergehalt (der ist in beiden Milcharten der gleiche), sondern in der Eiweißzusammensetzung.


Er mag klein wirken, aber dennoch soll dieser Unterschied Auswirkungen auf die Verdauung der Milch haben. Es heißt, dass viele Menschen irrtümlicherweise glauben unter einer Laktoseintoleranz zu leiden, obwohl das eigentliche Problem im Milcheiweiß liege.


Dieser Themenkomplex ist ein sehr neuer und die Wissenschaft befasst sich erst seit kurzer Zeit intensiv damit. Daher bedarf es noch einiges an fundierter Forschungsarbeit, um festzustellen, ob A2 Milch nachweislich besser vertragen wird als A1 Milch. Es gibt zwar Studien, die zeigen, dass die Beschwerden wie Stuhldrang, Blähbauch, Schmerzen oder Übelkeit 1, 3 und 12 Stunden nach dem Verzehr von A2 Milch deutlich geringer bzw. gar nicht auftreten als im selben Zeitfenster nach dem Verzehr von A1 Milch. Allerdings sind sich Wissenschaftler keinesfalls einig, was die vermeintlich bessere Verträglichkeit der A2 gegenüber der A1 Milch angeht. Denn so wie es Studien gibt, die eine bessere Verträglichkeit belegen, gibt es auch Studien, die keinen Unterschied zwischen A1 und A2 und der damit verbundenen Verträglichkeit feststellen konnten.





Ich verlinke euch am Ende des Blogbeitrags ein paar Studien zum Nachlesen. Wenn euch das Thema interessiert, könnt ihr euch dabei gerne selbst ein Bild davon machen.


Ich werde dieses Thema jedenfalls mit gespitzten Ohren weiterhin verfolgen. Wie du zu Beginn bestimmt schon bemerkt hast, bin ich ein Fan davon Neues auszuprobieren und es freut mich zu sehen, dass selbst in der Milchindustrie das Thema Verträglichkeit und Verdauung kein unwesentliches mehr ist.


A2 Milch kaufen

Wie auch immer du das Thema A1 und A2 Milch für dich einschätzt, möchte ich dir nun jene Landwirte vorstellen, die hinter der A2 Milch stecken, die ich im Kühlregal des Billa Plus Geschäfts in Innsbruck entdeckt habe.


Ganz nach der Philosophie: „Wir möchten wieder mehr Menschen ermöglichen, Kuhmilch zu trinken und eine echte Alternative zu Soja-, Reis- und Mandeldrinks bieten“, haben sich die Familie Reingruber und die Familie Wallner in Oberösterreich mit ihren Landwirtschaften zusammengeschlossen und ihre Milchproduktion im Jahr 2016 auf eine reine A2 Milchproduktion umgestellt.